Diesen Satz kennen wir alle, oder nicht? Aber stimmt das wirklich so?

Die Zeit heilt alle Wunden – passt wunderbar zu sämtlichen Schicksalsschlägen, die einem Menschen in seinem Leben passieren.

Gehe ich mal von meiner eigenen Geschichte aus…

Angefangen hat alles damit, in eine Familie hineingeboren zu werden, wo beide Eltern schwerst alkoholkrank und depressiv waren. Gewalt und Verwahrlosung war das, was meine 3 Geschwister und ich im Kleinkindalter erleben mussten. Meine Mutter starb mit 27 Jahren an Alkoholvergiftung, ich war zu dem Zeitpunkt 3 Jahre.

Weiter ging es für meine Geschwister und mich in ein Kinderheim, dass unter der Leitung streng katholischer Nonnen geleitet wurde. Auch hier kein Zuhause, keine Sicherheit, keine Zuneigung. Stattdessen Gewalt und Terror gegenüber den Kindern, die völlig schuldlos dort gelandet sind.

Nach knapp 1 Jahr wurde ich mit meiner jüngeren Schwester in eine Familie adoptiert. Jetzt denkt ihr wahrscheinscheinlich “Na Gott sei Dank, doch noch ein gutes Ende”.

Nein, für mich auch jetzt nicht. Ich bekam zwar alles, was ich benötigte, aber das wichtigste Element fehlte immer noch: Wahre Liebe!

Als 5. Rad am Wagen wuchs ich in dieser Familie auf und versuchte so gut wie ich konnte, meiner neuen Familie alles Recht zu machen, um nicht wieder zurückgeschickt zu werden.

Das Ergebnis der gesammelten Lebenserfahrung war eine schwere Depression.

Lange hat es bei mir gedauert, mir das einzugestehen, denn ich selbst sah mich immer als die starke Person, die darauf bedacht war, alles und jeden zu unterstützen. Dabei habe ich aber einen Menschen vergessen: MICH!

Ich war mit Mitte 20 an dem Punkt, wo ich schmerzlich feststellen musste, dass die Zeit nicht alle Wunden heilt. Durch eine sehr intensive Gesprächstherapie wurde mir klar, dass die ganzen Schicksalsschläge, die ich bis zu diesem Tag erlebt und durchlebt hatte, ganz tief vergraben in mir drin waren, aber keinesfalls verheilt. Nein, ganz im Gegenteil, sie wollten alle nochmal hochgekramt werden, angeschaut und gefühlt werden.

Es tut weh, aus all dem Sätze zu machen, aber nur so kann Heilung stattfinden.

Natürlich ist die Erinnerung daran immer noch da, und wird mich auch bis zu meinem Ende begleiten, aber ich kann sagen: Es macht mich nicht mehr fertig!

Schreibe einen Kommentar

Menü schließen

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen