Ich tue mich inzwischen sehr schwer damit, anderen Menschen Filme, Serien oder sogar Musik zu empfehlen. Gerade im Bereich der Kunst, und dazu zähle ich eben auch Filme und Serien, kommt es immer auf die Wirkung an, und die ist eben bei allen Menschen unterschiedlich.

Als ich hier im Ruinengarten den Medien-Bereich aufgebaut hatte, sah ich das noch etwas anders. Ich empfahl zum Beispiel den Film “Die Hütte – Ein Wochenende mit Gott”, den ich für absolut genial hielt, und das immer noch tue. Andererseits hatte ich das Glück oder Pech, das Buch nicht vorher gelesen zu haben. Verglichen mit einem Buch kann jeder Film nur Schrott sein, weil sich beim Lesen eines guten Buches im Kopf des Lesers Bilder aufbauen, denen kein Film gerecht werden kann, besonders weil es eben für jeden Leser andere Bilder sind.

Dazu kommt die Erinnerung, die Erfahrung und die Lebensumstände, unter denen jeder Leser oder Zuschauer ganz individuell seine Erfahrungen mit in das einbringt, was er liest oder sieht.

Schlimmer ist es sogar noch bei Musik. Ich bin zum Beispiel jemand, der die Musik der 80er liebt. Das liegt aber weniger an der Musik, sondern an den Erlebnissen, zu denen viele dieser Stücke den Hintergrundsound gebildet haben. Objektiv ist beispielsweise die Musik aus dem Film “Grease” eher schlecht, ich finde sie aber, weil ich den Film damals mit 12 Jahren gemeinsam mit meinem Onkel Willi im Kino gesehen habe, einfach nur toll. Wer erst nach 1980 geboren ist, der wird das niemals verstehen können.

Der Film “Die Hütte” kam bei der Kritik und bei der allgemeinen Öffentlichkeit eher schlecht an, aber ich finde ihn super, im Gegensatz zu einem Film wie Beispielsweise “La La Land”, der sogar einige Oscars bekommen hat, den ich aber furchtbar finde. Was sollte ich also empfehlen? Einen Film oder eine Serie, die ich toll finde, die meisten Leser und Besucher aber nicht, oder etwas, was allgemein gut ankommt, was ich aber für grottig halte? Ich weiß es nicht.

Wie bereits erwähnt, kommt es bei allem auf die eigene Stimmung und die eigenen Erfahrungen an, ob etwas ankommt oder nicht. Ich fand es bereits in der Schule furchtbar, wenn ein Buch, ein Bild oder ein Musikstück bis ins Kleinste zerlegt werden musste, um es zu analysieren. Wenn ich etwas analysiere, was eine Wirkung auf mich hat, dann ist das für mich wie ein Witz, den ich erklären musste. Nachher findet ihn niemand mehr lustig, und seine Wirkung verpufft.

In der Ruinengarten Musik sind kreuz und quer die Titel, die Rio oder mir (oder manchmal sogar uns beiden) ein wohliges Gefühl über den Rücken jagen, und das aus den unterschiedlichsten Gründen. Es ist ein Bereich, den wir einfach so auf die Seite gesetzt haben, weil bei uns beiden Musik immer etwas war, was uns auch einmal aus trüben Stimmungen heraus geholfen oder zum Nachdenken und Träumen gebracht hat. Wir wissen beide, dass das ganz persönlich für uns ist, aber vielleicht findet der eine oder andere von Euch darunter ein paar Lieder, bei denen auch er oder sie ins Träumen kommt.

Uns würde das freuen.

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