Vorwort zum Buch Projekt

Wie es viele von Euch bereits wissen werden wir in absehbarer Zeit mit dem Ruinengarten umziehen. Eines der Projekte, die ich in Trendelburg in jedem Falle verwirklichen werde, ist mein erstes eigenes Buch.

Es wird sich dabei nicht um einen Roman handeln, sondern um das, was ich in den letzten Jahren durch den Tod von Lucas und durch das Ruinengarten Projekt gelernt habe.

Was genau in der nächsten Zeit auf Rio und mich (und natürlich auch auf unsere Tiere) zukommen wird, darüber werde ich in Kürze im nächsten Podcast berichten.

Um Euch einen ersten Einblick zu geben, werde ich an dieser Stelle einfach das Vorwort zum Buch veröffentlichen mit der Bitte um Anregungen, Ideen und Feedback.

Wie das Buch heißen wird, steht momantan auch noch nicht fest.

Vorwort

Hallo und herzlich Willkommen!

Ich hoffe, Du hast nichts gegen ein freundliches “Du” in der Anrede, obwohl wir uns nicht kennen. Durch die Lektüre dieses Buches wirst Du mich vielleicht etwas besser kennenlernen, aber leider funktioniert das nur in einer Richtung. Und leider funktioniert das in dieser einen Richtung auch nur in kleinen Bereichen.

Wir alle haben Schubladen in unseren Köpfen. Sobald wir etwas lesen oder hören, versuchen wir automatisch, uns ein Bild zu machen. Ob dieses Bild dann richtig oder falsch ist, wird zur Nebensache. Wir lesen einen Kommentar auf Facebook und denken sofort, dass wir den, der es geschrieben hat, durchschauen können. Aber das ist falsch, obwohl uns auch das nicht interessiert.

Vor einiger Zeit gab es eine Sendung bei RTL, in der Günter Jauch auf sein Wissen hin getestet wurde. Die meisten Menschen kennen Günter Jauch aus seiner Sendung “Wer wird Millionär?”, in der er anderen Menschen Fragen stellt. Viele Leute denken aufgrund dessen, dass er ein sehr gebildeter Mensch sei, obwohl jedem klar sein müsste, dass auch er die Antworten zumeist nur auf seinem Monitor ablesen kann. Jeder halbwegs eloquente Mensch könnte seine Aufgabe übernehmen, und dennoch wird er von vielen Menschen für überdurchschnittlich gebildet gehalten.

Diese geistigen Schubladen sind nicht schlecht, im Gegenteil. Sie sind überlebenswichtig. Jahrtausende lang mussten Menschen auf ihre innere Stimme hören und in kürzester Zeit entscheiden, ob ihr Gegenüber ein Grund zur Entspannung oder ein Grund zur Flucht war. Auch wenn wir uns heute über alles und jeden tiefere Gedanken machen würden, würde uns das wohl unausweichlich in den Wahnsinn treiben.

Sinn dieses Buches ist es, Dir und anderen Menschen einen Leitfaden zu geben, worüber es sich vielleicht nachzudenken lohnt und wie im Leben eine Grundstimmung aufgebaut werden kann, die vielleicht am ehesten mit dem Wort “glücklich” zu beschreiben ist.

Mit Glück meine ich nicht die Stimmung, die einen Menschen dazu bringt, selbst bei Beerdigungen ausgelassene Volkslieder zu trällern oder mit breitem Grinsen durch einen Supermarkt oder zum Zahnarzt zu rennen. Glück ist das Gefühl, sich selbst nichts schuldig geblieben zu sein. Glück ist die innere Einstellung, selbst dann keine Sorgen zu haben, wenn Du erkennst, dass das Leben morgen vorbei sein könnte.

Das Leben könnte morgen vorbei sein. Am 11. Dezember 2013 habe ich mit meiner Mutter am Frühstückstisch darüber gesprochen, was wir im nächsten Jahr im Garten machen sollten. Einen Tag später, zur gleichen Zeit, war sie tot. Weder sie noch ich hatten damit gerechnet.

Im September 2016 bekam mein Sohn Lucas aus scheinbar heiterem Himmel Krampfanfälle. Am 31. März 2017 starb er hier zu Hause an einem aggressiven Hirntumor.

Es geht nicht darum, stets den Tod vor Augen zu haben. Es geht auch nicht darum, sich immer gut zu ernähren und oft genug zum Arzt zu rennen. Viele Menschen erkennen den Wert des Lebens aber seltsamerweise erst dann, wenn sie herausfinden, dass es endlich ist. Dann werden, wenn die Zeit dafür bleibt, Bucket Lists (oder Löffel-Listen) gemacht mit den Dingen, die schon immer gemacht werden wollten, zu denen aber vorher immer die Zeit fehlte.

Viele Menschen versuchen, ihr Leben für die Zukunft auf Kosten der Gegenwart zu planen.

“Wenn ich in Rente bin, dann werde ich mehr reisen.”
“Wenn die Kinder aus dem Haus sind, dann schaffe ich mir eine Modelleisenbahn an.”
“Wenn …, dann …”

Du kennst bestimmt von anderen oder von Dir selbst genug Beispiele, um eine schöne Liste zu erstellen.

Aber wer sagt Dir, dass Du im Alter zum Reisen überhaupt noch den Mut haben wirst? Wer sagt Dir, dass die Kinder nicht bis zu ihren vierzigsten Lebensjahr zu Hause wohnen werden oder Dich nicht, um mehr Platz zu haben, in ein Altenheim abschieben? Wer sagt Dir, dass für Dich die Zeit, auf die Du Dein Leben verschiebst, überhaupt kommen wird?

Das Leben ist nicht nur schön, es ist sogar wunderschön. Ja, manchmal tritt es Dir mit voller Wucht in den Bauch, und manchmal spült es Dich unerwartet in Situationen, aus denen Du scheinbar keinen Ausweg siehst. Trotzdem (oder vielleicht gerade deshalb) ist es so wunderschön und auch so spannend. Ich weiß, das klingt seltsam, besonders aus der Feder eines Mannes, der mit seinem einzigen Kind auch das Wichtigste in seinem Leben verloren hat, aber auch Lucas hat das Leben geliebt. Würde ich um ihn trauern, wenn das Leben nicht schön wäre? Würden wir überhaupt um jemanden trauern, der sein Leben verloren hat, wenn das Leben nicht lebenswert wäre? Warum werfen wir dann einen großen Teil unseres Lebens einfach fort in der Hoffnung auf eine Zeit, von der wir nicht einmal sicher sein können, dass sie kommt?

Was zählt, das ist das Hier und Jetzt, das Heute und das Leben darin. Es gibt schlaue Sprüche, die nahezu jeder kennt, wie “Carpe diem – nutze den Tag”, “Lebe jeden Tag, als wäre es der letzte. Eines Tages wirst Du Recht haben.” oder “Fülle nicht Dein Leben mit Tagen, sondern Deine Tage mit Leben.”, aber haben wir überhaupt den tieferen Sinn dahinter begriffen? Wer garantiert uns, dass wir am Ende unseres Lebens genug Zeit haben werden, unsere Löffel-Liste zu schreiben, ganz abgesehen von der Abarbeitung?

Dieses Buch ist vielleicht ein kleiner Leitfaden, aber auch ich habe die Weisheit nicht mit dem großen Löffel gefressen. Das einzige, was ich habe, ist die Erfahrung, und genau darum geht es in diesem Buch. Als ich das Ruinengarten Projekt begonnen habe, ging es mir darum, anderen Menschen in ähnlichen Situationen wie meiner zu helfen. Ich wollte in gewisser Weise dem einen Sinn geben, was für mich so vollkommen sinnlos schien.

Heute weiß ich, dass es viel mehr Leiden und Schmerzen in dieser Welt gibt als die, durch die ich musste. Der Schmerz durch den Tod von Lucas ist noch da, er ist ein Teil von mir, aber ich habe gelernt, damit zu leben. Der Anfang war unvorstellbar grausam, und er wurde auch teilweise durch andere Menschen noch verstärkt, aber heute weiß ich das einzuordnen in vollkommen neue Schubladen, die sich in meinem Kopf und in meiner Seele gebildet haben. Es war hart, mit diesem riesigen Berg an Gefühlen wie Wut, Trauer, Verlust, Einsamkeit und Verzweiflung klarzukommen, aber ich habe mein eigenes Überlebenstraining geschaffen. Auch darum geht es in diesem Buch.

Ob es nun um die so genannte “Midlife Crisis” geht, um Einsamkeit, um Verlust, um Trauer um einen geliebten Menschen oder einfach nur um das Gefühl, dort zu stehen, wo Du eigentlich niemals sein wolltest, es gibt Hoffnung, und genau aus diesem Grund schreibe ich dieses Buch. In den vergangenen Jahren habe ich so viele Menschen kennengelernt und ihre Geschichten gehört, dass ich glaube, dass wir vielleicht sogar in unserer Gesellschaft inzwischen auf einem Weg sind, der für fast alle Menschen nicht gesund sein kann.

Dazu möchte ich auch an dieser Stelle vorab anmerken, dass ich weder besonders religiös noch esotherisch angehaucht bin. Es geht hier weder darum, auf irgendeinen Gott oder irgendwelche Engel zu vertrauen, noch um Chakren-Reinigung oder in welchem Haus der Mond bei Deiner Geburt stand. Wenn Du selbst an das eine oder andere davon glaubst, dann ist das sehr gut für Dich, aber kein Grund, Deine Mitmenschen zu missionieren. Auch ich werde hier versuchen, auf jede Form von Missionierung zu verzichten.

In diesem Buch werde ich erzählen, wie ich bestimmte Dinge geschafft habe, wie ich viele Dinge falsch gemacht habe und was ich selbst daraus an Lehren für mich gezogen habe. Vielleicht erkennst Du Dich an der einen oder anderen Stelle wieder. Vielleicht ist es für Dich auch hilfreich, dass es Menschen gibt, denen es ähnlich geht wie Dir. Wenn Du manches anders siehst, dann freue ich mich, von Dir zu hören und mit Dir zu diskutieren.

Marcus Ertmer, Neuss den 07.12.2019

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Datenschutzerklärung und Allgemeine Nutzungsbedingungen